Introspektionen eines Hahnes

Introspektionen eines Hahnes

>>Als die Lammkeule aufgetragen wurde, wusste ich nicht, ob ich mich freuen oder Mitleid haben soll. Liebevoll knetete ich sie zwischen den Handen, wie der Topfer seinen Tonklumpen auf der Drehscheibe knetet. Ich mochte die Warme des Talgs zwischen den Fingern und den Geruch des kurz gebratenen Fleisches, das noch roh, fast lebend wirkte. Ich riss sie mit den Fingernageln halb auf, sog gierig den Duft ein und liess mich von den Molekulen des fast lebendigen Fleisches durchdringen. Es war mehr als nur Fleisch: Ich schmeckte den Schlamm aus dem Pferch, das unter den Hufen zerdruckte Stroh, Buschel nasser Wolle, hangend an harzblutenden Zaunlatten. Mit jedem Bissen entstand das Bild des ubermutigen Lamms vor meinen Augen, Furchen in den Schlamm ziehend, auf einem Bergkamm...<< Daniel Corban ist ein Virtuose der Metaphern, ein moder-ner Poet der schrillen, einfuhlsamen, humorvollen wie grotesken Lyrik, ein wilder, unbefleckter Diamant, der in der Lage ist, die Erfahrung des Lesens in ein Feuerwerk von widerspruchlichen Gefuhlen, bi-zarren Bildern und bleischweren Introspektionen umzuwandeln
35.75 Lei în magazinul BookZone